Abweichende Prüfungsmethoden

kurz gesagt...

Abweichende Prüfungsmethoden

sind ein studienrechtliches "Werkzeug" für Studierende, die eine studienrelevante Funktionsbeeinträchtigung nachweisen können. Ist das Ablegen von Prüfungen im vorgeschrieben Modus aufgrund der Beeinträchtigung nicht chancengleich möglich, können individuelle abweichende Prüfungsmethoden vereinbart werden.

Rechtslage und Definition an der Universität Wien

Ordentliche und außerordentliche Studierende mit Beeinträchtigung im Studium haben gemäß §59 (1) Z 12 Universitätsgesetz ein Recht auf abweichende Prüfungsmethoden.

Zudem regelt die Satzung der Universität Wien die Gleichstellung von Personen mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung.

Das bedeutet...

Abweichende Prüfungen ermöglichen Prüfungen mit

  • gleichem Inhalt
  • gleicher Leistung,
  • aber in einem anderen/flexiblen Modus

 

Ziel ist es,

  • Prüfungen und Lehrveranstaltungen so zu gestalten, dass betroffene StudentInnen nicht aufgrund Ihrer Beeinträchtigung benachteiligt sind

Es handelt sich dabei nicht um

  • einen „Erlass" von Leistungsfeststellungen
  • ein "Auge zudrücken" oder
  • eine Studienerleichterung ("durch's Studium tragen")

Es ist eine Änderung, die unter Berücksichtigung der Beeinträchtigung der ursprünglich vorgesehenen Methode am nächsten kommt.

Dadurch wird den jeweiligen StudentInnen ein (chancengleicheres) Studium überhaupt erst ermöglicht.

Wen betrifft das und welche abweichende Prüfungsmethode ist sinnvoll?

Beispiele

  • schriftliche statt mündliche Prüfung: z.B. bei Sprechbeeinträchtigung, Sprechangst
  • mündliche statt schriftliche Prüfung: z.B. bei Sehbeeinträchtigung, feinmotorische Einschränkung der Schreibhand
  • verlängerte Prüfungszeit bei schriftlichen Prüfungen: z.B. Studierenden mit einer Lese- und/oder Rechtschreibschwäche, grafomotorischen Beeinträchtigungen oder Schmerzen, Autismusspektrum
  • Hinzuziehen von ÖGS- oder Schrift-DolmetscherInnen: bei mündlichen Prüfungen für Studierende mit Hörbeeinträchtigung
  • Nutzung technischer Hilfsmittel wie Laptop: z.B. bei blinden Studierenden, bei Einschränkungen der Schreibhand, bei Lese- und/oder Rechtschreibschwäche
  • Prüfung in einem eigenen Raum: z.B. bei Studierenden mit Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsbeeinträchtigung, Agoraphobie
  • andere alternative Leistungsfeststellung
    • schriftliche Arbeit statt Teilnahme an Exkursion (z.B. bei Mobilitätseinschränkung, chronischer Erkrankung)

    • schriftliche Arbeit statt Präsentation eines Referats (z.B. bei Sozialphobien)

    • Ersatzleistung für häufigeres Fehlen (z.B. bei chronischen Erkrankungen)
  • Ausweitungen von Abgabefristen: z.B. bei akutem Schub/Verschlechterung des Krankheitsbildes, bei längeren Krankenhausaufenthalten (z.B. Rehabilitation, Therapie)

Vorgehensweise

(Option 1:) Direkt bei der Lehrveranstaltungsleitung/Prüfungsleitung

  1. Überlegen Sie, welche abweichenden Prüfungsmethoden für Sie am sinnvollsten und effektivsten sind, um Ihren Nachteil auszugleichen.
  2. Kommunizieren Sie mit Ihren Lehrenden/Prüfenden - so früh wie möglich! - darüber und einigen Sie sich auf die konkrete Umsetzung.
  3. Halten Sie dies gemeinsam schriftlich fest (z.B. per E-Mail-Verkehr, damit alle Details für alle Beteiligten klar sind und diese gegebenenfalls auch für Andere später nachvollziehbar bleiben).
  4. In manchen Fällen ist die vorherige Ausstellung eines Empfehlungsschreibens (siehe Option 2) sinnvoll. Bitte klären Sie dies mit Ihren Lehrenden/Prüfenden bzw. dem Team Barrierefrei ab.

Fachärztlicher Nachweis (an Lehrende/Prüfende)

Häufig werden abweichende Prüfungsmethoden direkt mit Lehrenden oder Prüfungsleitungen vereinbart.

Wenn diese aufgrund von mangelnder Offensichtlichkeit (schriftliche) Nachweise wünschen, beachten Sie bitte die allgemeinen Informationen zu Fachärztlichen Nachweisen und Datenschutz an der Universität Wien.

Sie müssen keine Befunde an Lehrende aushändigen! Freiwillig ist dies natürlich möglich. Wenn Sie Lehrenden keine sensiblen Daten mitteilen möchten, können Nachweise beim Team Barrierefrei hinterlegt werden. Alternativ/Zusätzlich kann ein Empfehlungsschreiben (Option 2) erstellt werden.


(Option 2:) Mit Hilfe eines Empfehlungsschreibens vom Team Barrierefrei

  1. Kommen Sie mit einem fachärztlichen Nachweis zu den Beratungszeiten zum Team Barrierefrei. Hier erarbeiten Sie zusammen mit einem/einer MitarbeiterIn des Teams in einem persönlichen Gespräch ein „Empfehlungsschreiben für abweichende Prüfungsmethoden".
  2. Diese Empfehlung wird danach vom Team Barrierefrei zur jeweiligen Studienprogrammleitung (SPL) geschickt, die mit ihrer Unterschrift die inhaltliche Gleichwertigkeit und fachliche Unbedenklichkeit der genannten Methoden bestätigt.
  3. Sobald das Empfehlungsschreiben von der SPL unterzeichnet wurde, erhalten Sie dieses per E-Mail an Ihre u:account Adresse.
  4. Das Empfehlungsschreiben kann Ihnen danach als Hilfestellung in der Kommunikation mit Lehrveranstaltungs- oder Prüfungsleitungen dienen (z.B. als Mail-Anhang, ausgedruckt in der Sprechstunde, etc.). Kommunizieren Sie auch mit Empfehlungsschreiben so früh wie möglich mit den LehrveranstaltungsleiterInnen bzw. PrüferInnen, um die Empfehlungen zu besprechen und zu vereinbaren.
    Wichtig ist
    : Je früher die Lehrveranstaltungs- bzw. Prüfungsleitung Bescheid weiß, umso besser gelingt die Planung und Umsetzung für alle Beteiligten. Denn abweichende Methoden müssen gegebenenfalls zeitintensiv vorbereitet werden.

Fachärztlicher Nachweis (für Empfehlungsschreiben)

Um ein Empfehlungsschreiben für abweichende Prüfungsmethoden zu erhalten, benötigt das Team Barrierefrei einen Nachweis Ihrer studienrelevanten Funktionsbeeinträchtigung.

Bitte beachten Sie dafür die allgemeinen Informationen zu Fachärztlichen Nachweisen und Datenschutz an der Universität Wien.

 Achtung!

Ein Empfehlungsschreiben vom Team Barrierefrei ist keine automatische Information an Lehrende! Auch zum Schutz Ihrer eigenen Daten muss die Information über eine Beeinträchtigung und die Notwendigkeit abweichender Prüfungsmethoden in jeder Lehrveranstaltung und zu jeder Prüfung von Ihnen selbst ausgehen. Das Empfehlungsschreiben für abweichende Prüfungsmethoden ist dafür lediglich ein Hilfsmittel in Form eines nicht bindenden Schriftstückes. Es bestätigt, dass Sie Ihre Beeinträchtigung bei einer zentralen, fachkompetenten und ihre Daten nicht weitergebenden Stelle (d.h. beim Team Barrierefrei) nachgewiesen haben.

(Option 3:) Verfahren mit Antrag und Bescheid

Neben der etablierten Kooperation zwischen Team Barrierefrei und den Studienprogrammleitungen mittels Empfehlungsschreiben, gibt es auch eine formalisiertere Vorgehensweise. Diese ist in der Satzung der Universität Wien geregelt (Satzungsteil: Studienrecht, Paragraph 11).